REZENSION LABORATORIO

Die erste Rezension zu LABORATORIO ist erschienen. (Deutsch und englisch)

Fritz HAUSER (b. 1953) Laboratorio Fritz Hauser (percussion) rec. Casa delle Masche, Piedmont, Italy, 2018 HAT[NOW]ART 216 [60:41]

Der Schweizer Komponist Fritz Hauser ist ein Perkussionist von ungewöhnlicher Originalität. Der Titel dieser CD – Laboratorio – hat seinen Ursprung in der Erforschung, Entdeckung, Evolution und Schöpfung selbst, so dass es nicht verwundern sollte, dass Hausers Musik ein Experiment in Klang, Raum, Akustik und räumlichen Dimensionen ist. Es ist, wie Hauser vorschlägt, die Einbettung von Musik in etwas deutlich Architektonisches; es ist in gewisser Weise näher an der Installationskunst als an der Musik, was, wie ich denke, für einige Hörer einen kleinen Sprung bedeuten wird. Dies ist jedoch ein Werk für Solo-Percussion und in diesem Sinne unterscheidet es sich von der einzigen anderen CD von ihm, das umfangreiche Solodrumming , was ich sehr gut kenne. Es gibt Gemeinsamkeiten in den beiden Werken, aber auch auffallende Unterschiede: Die schockierende Intensität, die auf die Instrumente einwirkt, die unter dem Druck des Trommelnn zu zerspringen drohen, ist in Laboratorio weniger offensichtlich, aber die technische Kompetenz und der erzeugte Klang sind von ähnlicher Natur. Das sind Werke, die einen unglaublichen Dynamikumfang kreiieren; wo der Raum unendlich erscheint, wo Klänge in den Proportionen einer viel größeren Akustik widerhallen und nachhallen.

Es ist sicherlich wahr, dass dies eine viel progressivere Musik ist, als Reich’s Drumming. Laboratorio ist vielleicht fast eher urban als ’nur‘ Musik. Ich mochte einige Teile davon mehr als andere: „Tre“, das über seine gesamte Spannweite von einem verblassenden Ein- und Ausblenden der Tamtam-Impulse getragen wird und eindrucksvoll nachklingt. Es unterscheidet sich auffallend von „Due“, das mit seinen vielschichtigen Klangblöcken eine variable Klangwelt schafft, indem es Mehrspuraufnahmen von Instrumenten verschmilzt, die sich quasi zusammenfügen, um die Illusion zu erwecken, aus einer einzigen Quelle zu stammen, obwohl sie unmöglich aus einer einzigen Quelle stammen könnten. Quatro‘ mit seinen spontanen Rhythmen klingt fast wie perkussive Polyphonie. Und wenn man in Laboratorio ein Becken oder gar eine Große Trommel hört, fällt einem nicht nur das Instrument und sein Timbre ins Auge, sondern auch das Konzept, dass die Perkussion als Klangform völlig räumlich ist: Ein Becken schwebt und hängt im Raum, und doch überschreitet es als Musik Grenzen, bis es physisch zum Stillstand gebracht wird.

Wie die Zuhörer auf diese CD reagieren werden, hängt weitgehend davon ab, wie empfänglich sie für die Untersuchung der Idee sind, dass Musik im Verhältnis zu etwas anderem steht – in diesem Fall dem Konzept des Klangs als Architektur und der breiteren Kultur, die ihn umgibt, von Territorium, urbanem Leben und konkretem Raum. Es ist natürlich experimentell, arbeitet aber als Musik auf mindestens zwei verschiedenen Ebenen. In rein akustischer Form ist sie als Musik zu verstehen, die einen direkten Bezug zu Stücken wie Stockhausens embryonaler Arbeit von 1959, Zyklus, oder seinem noch früheren Stück von 1952, Schlagtrio, hat. Doch wo Laboratorio das, was Stockhausen in seinen ersten Schlagzeugwerken nur kurz anerkannt hat, erweitert, geht es um die Konstellation von Klang im Raum. Es gibt vieles, was hier abstrakt ist, aber es gibt auch vieles, was nur durch den Sinn für Akustik und Architektur selbst inspiriert ist. Inwieweit sich ein Werk des 21. Jahrhunderts wie Laboratorio von der Musik des 14. Jahrhunderts in einer gotischen Kathedrale unterscheidet, erscheint mir eher minimal.

Marc Bridle

Fritz HAUSER (b. 1953) Laboratorio Fritz Hauser (percussion) rec. Casa delle Masche, Piedmont, Italy, 2018 HAT[NOW]ART 216 [60:41]

The Swiss composer Fritz Hauser is a percussionist of unusual originality. The very title of this CD – Laboratorio – has its origins in exploration, discovery, evolution and creation itself so it should come as no surprise that Hauser’s music is an experiment in sound, space, acoustics and spatial dimensions. It is, as Hauser suggests, the building of music into something distinctly architectural; it’s in some ways closer to installation art than music which will, I think, involve a bit of leap for some listeners. This is, however, a work for solo percussion and in that sense it differs from the only other piece of his I’m very familiar with his vast Solo Drumming. There are similarities in the two works, but also striking differences: the shocking intensity, suggestive of the instruments about to destruct under the pressure in Drumming is less obvious in Laboratorio, but the technical skill, and the sound that is generated, is of a similar nature.

These are works that rely on an incredible dynamic range; where space seems infinite, where sounds echo and reverberate within the proportions of a much larger acoustic than seems possible. It’s certainly true to say that this is much more progressive music than say Reich’s Drumming. Laboratorio is perhaps more urban as music. I found myself liking some parts of it more than others: ‘Tre’, which is sustained throughout its span by a fading in-and-out tam-tam pulses and reverberates memorably. It’s strikingly different from ‘Due’, which with its multi-layered blocks of sound, creates a variable sonic world by melding multi-track recordings of instruments that bend together to give the illusion of being from a single source when they couldn’t possibly have been generated from one. ‘Quatro’ with its spontaneous rhythms almost sounds like percussive polyphony. And when you hear a cymbal, or even a bass drum, in Laboratorio it’s not just the instrument and its timbre that catches the ear but the concept that percussion is entirely spatial as a sound form: A cymbal floats and hangs in space, and yet as music it crosses borders until it’s physically brought to a standstill.

How listeners will respond to this disc will largely depend on how receptive they are to investigating the idea that music is relative to something else – in this case, the concept of sound as architecture and the wider culture surrounding it of territory, urban life and concrete space. It’s experimental, of course, but works as music on at least two distinct levels. It can be seen in a purely sonic form as music that has a direct link to pieces like Stockhausen’s embryonic 1959 work, Zyklus, or his even earlier piece from 1952, Schlagtrio. But where Laboratorio expands on what Stockhausen only briefly acknowledged in his earliest works for percussion is the constellation of sound in space. There is much that is abstract here, but there is also much that is just inspired by the sense of acoustics and architecture itself. The extent to which a twenty-first century work like Laboratorio differs from fourteenth century music in a Gothic cathedral seems rather minimal to me.

Marc Bridle

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