SCHLAG PULS CLUSTER STILLE

SCHLAG

PULS

CLUSTER

STILLE

Eine Klangraumerforschung für 16 PerkussionistInnen im Rahmen der Ausstellung „Kosmos Kubismus“ Mit Fritz Hauser, Peter Conradin Zumthor sowie Studierenden und Alumni von Prof. Christian Dierstein und Prof. Matthias Würsch.

Eine Kooperation mit der Hochschule für Musik/Musik Akademie Basel (Uraufführung)

„Nur wer der Trommel lauscht, hört die Stille.“

(Georges Braque)

Bühne frei für ein klanglich-musikalisches Ereignis der Sonderklasse: Für das Kunstmuseum Basel entwickelt Fritz Hauser (*1953 in Basel), der Kompositionen und Programme für Schlagzeug und Perkussion weltweit zur Aufführung bringt, ein neues Projekt unter dem Titel „SCHLAG PULS CLUSTER STILLE (KOSMOS KUBISMUS)“.

Es ist ein Experiment im grossen Stil: Insgesamt 16 Musikerinnen und Musiker nehmen weit verstreute Plätze im Kunstmuseum ein, so dass sich der Klang in den Raum ausdehnt und die Architektur akustisch erlebbar macht. Es ist ein Erlebnis für die Sinne, das von wandernden Klangwellen und brausenden Tonbündeln bis zu fein abgestuften Rhythmen und Pulsationen reicht – die Perkussionsklänge werden zu abstrakten Hörerlebnissen.

Der ikonische Treppenaufgang des Neubaus mit seiner Zickzack-Form dient dabei als Tribüne, das Museum bis hinüber in den Altbau wird zum Klangraum. Das neue Stück ist weniger traditionelles Konzert als ein die Architektur aktivierendes Hörerlebnis – und das Publikum durchwandert die gewaltige räumliche Ausdehnung – mit den Ohren!

Die Uraufführung dieses Auftragswerks, das eine Kooperation mit der Hochschule für Musik/Musikakademie Basel ist, findet am Dienstag, den 14. Mai statt (Premiere). Weitere Daten: 17. und 18. Mai

Zeit: Einlass Neubau ab 19 Uhr, Beginn Konzert: 19:30h, Dauer: ca. 70 Minuten.

Ort: Neubau, Treppenaufgänge, öffentliche Zonen

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Die weiteren Daten von Fritz Hauser sehen Sie hier

Die Schlagzeuger erscheinen zur ersten Probe

VON DER IDEE ZUM KLANG

Es ist Abend und ich stehe vor dem Neubau des Kunstmuseums in Basel. Zum ersten Mal betrete ich das Gebäude durch den eigentlichen Eingang und befinde mich dann gleich im Foyer. Links geht die Treppe hinab ins Dunkel, der Rest der Halle ist schummrig beleuchtet. Der Marmor und die verzinkten Wandelemente funkeln wie Ikonen in der spärlichen Beleuchtung und ich nehme sofort den Raum mit den Ohren auf.

Das Personal bittet mich zur Besucher’tribüne‘, wobei ich mir aussuchen darf, ob ich auf der Tribüne 1 oder 2 sitzen möchte. Was sind die Konsequenzen, was sind die Vorteile, was die Nachteile? Es wird mir versichert, dass alles gut kommt und ich entscheide mich für die obere Variante – Tribüne 2.

Mittels Sitzkissen nehme ich auf der Treppe Platz und habe nun ein wenig Zeit, um die Architektur des Raumes im ungewohnt trüben Licht zu studieren. Ich weiss um das Gebäude, habe schon Ausstellungen gesehen und spüre die angrenzenden Räume in ihrer stillen Präsenz. Oder ich bin neu hier, staune ohne Orientierung.

Die ersten Schläge, die ersten irritierenden Raumreflexionen und Echos ertönen. Dann die Antwort von unten – ein Dialog – im Raum aufgespannt. Stille!

Neuer Beginn: plötzlich scheinen sich die Trommler zu verdoppeln, das Echo ist kein Echo mehr sondern eine eigenständige Aktion, eine Verdopplung der klanglichen Dichte, der Raum scheint sich akustisch doppelt zu spiegeln, wird höher und breiter und nimmt ungeahnte Ausmasse an. Wieder Stille!

Jetzt hebt – ohne dass man eine Bewegung sieht -, ein Pulsieren aus der Tiefe des Raumes an. Die unsichtbaren Räume beginnen zu leben, beginnen miteinander zu kommunizieren, das Klanggefüge wird grösser und grösser, ungreifbar die akustischen Impulse, die sich auf verschlungenen Pfaden durch ein riesiges Labyrinth zu bewegen scheinen.

Jetzt setzen die sichtbaren Trommler mit ganz neuen Klängen dazu ein, kontrapunktieren das Geschehen, die anderen reagieren, der ganze Klangraum beginnt zu schillern, neue Obertöne, die Geräusche prallen anders auf die Wände, werden zurück geworfen, zerfasern, zersplittern, zerfallen in die Stille.

Da, ein Rhythmus. Aus der tiefsten Tiefe des Raumes baut er sich auf, kommt näher, entfernt sich wieder, kreist ums Publikum, wird laut und wieder leise, der Geist der Trommeln tobt durch beide Museen, wir meinen 100 Meter weit zu hören, 200, 300 …. Stille!

Ein leises Wischen wird hörbar. Ein Flüstern. Ein Hauch. Vervielfacht sich, wird zum Atem, baut sich ganz langsam auf zum Wind, zur Brandung schliesslich. Ein Räderwerk, eine riesige Maschine tobt durchs Haus, der Marmor scheint zu tanzen. Der Sturm flaut behutsam und lange ab, die Brandung flutet weit durchs Gebäude, hin und her, die Klangrinnsale verebben, die Geräusche beruhigen sich, die Stille breitet sich aus.

Das würde ich gerne nochmals hören, nochmals erleben. Bitte, gerne: Platzwechsel, und los gehts zur 2. Runde!

Fritz Hauser

Soundexperiment für das Kunstmuseum Basel